Zum Wesen des Austrofaschismus

Mit dem so genannten Ständestaat wurde in Österreich ein Herrschaftssystem implementiert, das die Errungenschaften der europäischen Moderne nicht nur aufheben, sondern in ihr Gegenteil verkehren wollte. Als »Finanzdiktatur« war der Austrofaschismus zwischen 1934 und 1938 zudem eng an den Bedürfnissen der Kapitalmärkte orientiert. Während es einerseits wesentlich um die »Sicherung von Marktergebnissen« ging – ein Umstand, der sich besonders in zahlreichen Einschränkungen im Bereich der Sozialpolitik widerspiegelte – konnten auf der anderen Seite ausgewählte Sektoren wie die Landwirtschaft oder das Gewerbe mit einem ausgeprägten Protektionismus des autoritären Staates rechnen. Ökonomisch betrachtet zeigt sich die Ära Engelbert Dollfuß / Kurt Schuschnigg also als ein facettenreiches Phänomen. Eindeutiger hingegen tritt die gesellschaftspolitische Ausrichtung hervor: Als Angehörige der Frontkämpfer-Generation setzten die Regierenden auf eine durchgehende Militarisierung der Gesellschaft. Der Austrofaschismus erscheint im Vorfeld eines barbarischen Projekts, das in den Folgejahren eine dramatische Umwälzung auf dem gesamten Kontinent herbeiführen sollte. Vgl. dazu als Anschauungsmaterial »Armee und Wirtschaft« von 1936.

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Inhalt

  1. Einleitung: Von der großen Krise zum Ständestaat
  2. Die Ideologie des Ständestaates
  3. Wesen und Aufbau des »real existierenden« Ständestaates
  4. »Auf neuen Wegen – zu alten Zielen.« – Interessenspolitische Konstellationen im Ständestaat
  5. Sektoren des wirtschaftspolitischen Handelns
  6. Ökonomische Entwicklung, Wirtschaftspolitik und wirtschaftspolitische Alternativen im Österreich der 1930er Jahre

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Autor

Gerhard Senft, geb. 1956, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien. Studium der Volkswirtschaft und mehrjährige Berufstätigkeit als Ingenieur im Industrieanlagenbau. Im universitären Rahmen lehrend und forschend tätig seit 1988. Arbeitsschwerpunkte: Problemgeschichte und Theorieentwicklung der Ökonomie; Geschichte der sozialen Bewegungen; Geldwesen, Arbeitsorganisation und Zeitfaktor in historischer Dimension; Wirtschaftspolitik; Faschismusforschung. Theodor Körner-Preis für den Fachbereich Wirtschaftswissenschaften 2001.

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